Albert-Einstein-Schule / Langen

Expedition Eurotopia

Das Jugendbildungswerk des Kreises Offenbach führte Anfang April 2014 in
Kooperation mit dem Europe Direct Relais Rhein-Main in den 3 Klassen der
Jahrgangsstufe 10 an der Albert-Einstein-Schule das 1tägige Planspiel „Expedition
Eurotopia“ durch.

Im Vorfeld der Projektdurchführung wurde 4 Wochen lang im GL-Unterricht das
Thema „Europa“ behandelt. Das Planspiel konnte darauf aufbauen, die
Unterrichtsinhalte vertiefen und hierbei auch unterschiedliche Kompetenzen bei der
Schülerschaft erweitern.

Wie war der Ablauf?
Den Tageseinstieg bildete eine Smartboard-Präsentation, welche anschaulich die
Europäische Union von der Geburtsstunde über die Meilensteine ihrer
geschichtlichen Entwicklung bis zum heutigen Tag zusammenfasste. Danach wurden
die Teilnehmenden auf eine Reise ins Jahr 2040 mitgenommen. Den
Weltraumreisenden erwartete die Aufgabe, einen neu entdeckten, unbewohnten
Planeten welcher der Erde ziemlich ähnlich ist, neu zu besiedeln. Es sollte eine
gedanklich-kreative Auseinandersetzung zu der Ausgestaltung einer europäischen
Gesellschaft erfolgen. Dabei sollte auch der Frage nachgegangen werden, was von
dem, was bisher die europäische Einigung hervorgebracht hat, bei einer fiktiv-
utopischen Neuordnung beibehalten bzw. was verändert werden sollte.

Hierzu wurden die Schüler und Schülerinnen in 3 Arbeitsgruppen aufgeteilt. Im 2.
Schritt versetzten sie sich jeweils in die Rolle wichtiger Fachleute hinein, sogenannte
„Experten“ für unterschiedliche Themenbereiche, wie z. B. Verwaltungs- und
Staatsaufbau, Energiepolitik und Landwirtschaft, Sprache und Kultur, Medien oder
auch Finanzwirtschaft. Die Arbeitsgruppen hatten in ihrer Diskussionsausrichtung
unterschiedliche Vorgaben: „futuristisch-kreativ“; „Europa wie wir es aus 2014
kennen“ und „europakritisch“. Im ersten Schritt mussten sich die Einzelnen in ihrer
jeweiligen Arbeitsgruppe (im Spielverlauf nannten die Teilnehmenden diese
„Regierungsgruppe“) eine eigene passende Identität für das jeweilige zuständige
Fachgebiet zulegen, sowie eine Positionierung innerhalb einer neu
zu strukturierenden europäischen Gemeinschaft und eigenen politischen Ordnung
finden.

Wie kamen nun die verschiedenen Expertenmeinungen mit den unterschiedlichen
Grundausrichtungen im Raumschiff der Zukunft zu einem Ergebnis?
Nach der Vorstellungsrunde aller Experten und Expertinnen, arbeiteten diese in
Fachgruppen zu dritt zusammen. Hierbei konnten die unterschiedlichen Sichtweisen
und Ziele untereinander im kleinen Rahmen erläutert, Ideen/Vorschläge ausgetauscht
und erste gemeinsame Vereinbarungen für eine mögliche Neubesiedelung des
Planeten getroffen werden. Danach sollten sich die ursprünglichen
Regierungsgruppen zusammensetzen, um die gehörten als auch verhandelten
Positionen vorgestellt zu bekommen und sich auch Meinungen und Ratschläge von
den anderen Gruppenmitgliedern zu holen.

In der darauf anschließenden Fachexpertenrunde mussten sich die jeweils 3 Experten
auf verbindliche Vorschläge bzw. Richtlinien oder Regelungen einigen. Diese
Forderungen wurden dann wieder in die Regierungsgruppe zurück transportiert und
erneut diskutiert und verabschiedet. Es folgte dann 4 Stunden später die
Schlussphase, in der jeweils ein Experte aus einem Fachgebiet bestimmt wurde,
welcher die Beschlüsse in einer sogenannten „Talk-Show“ vorstellen durfte.
Moderiert wurde diese Talk-Show von Frau Möller aus dem Europe Direct Relais
Rhein-Main. Die Beschlüsse aus den Fachexpertengruppen wurden nun allen
vorgestellt und per Moderation thematisch abgefragt. Die ganze Klasse konnte sich
diesem Diskussionsprozess beteiligen. Fazit aus diesem Prozess war, dass der neue
Planet „Europa“ besiedelt werden kann.

Was hat es gebracht?
Die Schüler und Schülerinnen nutzen die Auswertung sehr differenziert. Für die einen
gab das Planspiel zu wenig interessante Anknüpfungspunkte für ihre Altersgruppe,
wohingegen andere sich sehr gut in ihre Rollen einfinden konnten. Die Idee dieses
Planspiels wurde als sehr gut erachtet. Die EU in ihren Dimensionen konnte
nähergebracht werden und die Vielschichtigkeit in den Entscheidungsfindungs-
prozessen wurde praktisch erlebt. Innerhalb der Diskussionsrunden wurden Begriffe
aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und durch das Einbringen eigener
Erfahrungen erweitert. Es wurden auch ganz neue Ideen für ein Eurotopia gefordert,
wie z. B.
- intelligente Stromkreisläufe in privaten Haushalten
- gerechte gesunde Nahrungsmittelverteilung
- Verbot der Massentierhaltung
- kein „kaputt-Sparen“
- das Volk entscheidet zu Beginn, inwiefern und inwieweit es Einfluss auf die
Gesetzgebung haben soll

Abschließend blieben einige strittige Punkte ergebnisoffen, wie z. B. eine
gemeinsame Religion als auch Sprache, oder dass Bürger/innen aus finanzschwachen
Ländern nicht nach „Eurotopia“ siedeln dürfen, wie auch die Frage nach dem
Bankensystem überhaupt.

Die Interaktionen sowohl in den einzelnen Arbeitsgruppen als auch Arbeitsschritten
führten zu einem selbstbewussten aktiven Umgang mit den Herausforderungen des
Lebens in der europäischen Gemeinschaft. Nach Aussagen einiger Schüler/innen war
das konkrete Arbeiten in einem Planspiel sehr gut, da die Idee „Europa“ so gut näher
gebracht werden konnte als auch Platz für die eigene Ideenentwicklung war, also ein
rundum gelungenes Projekt.

An diesem Bericht hat die Schülerin Destina Yurtsever mitgewirkt.